{"id":107,"date":"2015-11-04T20:03:06","date_gmt":"2015-11-04T18:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/?p=107"},"modified":"2017-10-22T20:09:19","modified_gmt":"2017-10-22T18:09:19","slug":"ein-erfahrungsbericht-oder-wie-sieht-eigentlich-so-eine-eins-zu-eins-beziehung-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/ein-erfahrungsbericht-oder-wie-sieht-eigentlich-so-eine-eins-zu-eins-beziehung-aus\/","title":{"rendered":"Ein Erfahrungsbericht oder: Wie sieht eigentlich so eine Eins-zu-Eins-Beziehung aus?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Bericht von einem StuBdi f\u00fcr alle Stubdis und diejenigen, die sich f\u00fcr einen Generationsaustausch und ein besseres Miteinander in unserer Gesellschaft interessieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wie sieht eigentlich so eine Eins-zu-Eins-Beziehung aus? Das fragen sich vermutlich die meisten von Euch, wenn sie auf den Studentischen Besuchsdienst und seine Angebote sto\u00dfen. Als ein aktives Mitglied des StuBdi bin ich schon seit fast anderthalb Jahren in einer solchen Beziehung und m\u00f6chte euch auf diesem Weg von meinen Erfahrungen berichten.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2014 bekam ich mittags vor der Mensa einen Flyer in die Hand gedr\u00fcckt. Darauf abgebildet ein \u00e4lterer Mann in schwarz-wei\u00df, der traurig in die Ferne blickte. Gleichzeitig war dieses Bild eine Einladung zur Einf\u00fchrungsveranstaltung des Studentischen Besuchsdienstes e.V., der sich kurz zuvor gegr\u00fcndet hatte. Der Verein beabsichtigt sich f\u00fcr einen besseren Austausch zwischen \u00e4lteren Menschen und jungen Leuten vor Ort, also zum Beispiel in Altenheimen, einzusetzen. Schon l\u00e4nger hatte ich nach einer solchen M\u00f6glichkeit mich konkret zu engagieren Ausschau gehalten, also entschloss ich mich der Einladung zu folgen und war bald darauf StuBdi-Neuling. Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde ich dem Sankt Lamberti Wohnheim am Aasee zugeteilt und sollte mich mit der Pflegedienstleitung f\u00fcr ein Kennenlern-Treffen in Verbindung setzen, was ich auch tat.<\/p>\n<p>Als ich das besagte Wohnheim das erste Mal betrat, entsprach der erste Eindruck in etwa meinen Vorstellungen von einem Altenheim. Es war sehr still, man sah vor allem alte Menschen und ihre Pfleger und auch die Zeit schien in dem Haus stehen geblieben zu sein. Trotzdem gab man sich M\u00fche den \u00e4lteren Leuten ein wenig Abwechslung zu verschaffen und \u00fcberall hingen Fotos oder selbstgebastelte Dekoration. Der Pflegedienstleiter des Heims begr\u00fc\u00dfte mich herzlich und wir unterhielten uns sowohl \u00fcber meine Motivation als auch \u00fcber den Heimalltag. Insgesamt freute er sich sehr dar\u00fcber, dass nun auch Studenten den Kontakt zur \u00e4lteren Generation suchten. Anschlie\u00dfend bekam ich noch eine F\u00fchrung durch das gesamte Heim, bei der ich feststellte, dass man sich schon Einiges einfallen lie\u00df, um den Bewohnern ein sch\u00f6nes Wohnen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde ich der mittlerweile 98-J\u00e4hrigen Dame vorgestellt, die ich bis heute besuche. Der Pflegedienstleiter hatte mir bereits berichtet, dass sie schon zuvor von Studenten besucht worden sei, mittlerweile komme aber niemand mehr. Ich war sehr gespannt und gleichzeitig aufgeregt und f\u00fchlte mich etwas unwohl. Aber Frau H. freute sich wahnsinnig, dass ich sie nun regelm\u00e4\u00dfig besuchen wollte und fing gleich an zu erz\u00e4hlen, was mir die Kontaktaufnahme ungemein erleichterte. Die ersten Besuche waren noch ein wenig verhalten, weil man sein Gegen\u00fcber noch nicht so gut einsch\u00e4tzen konnte. Je \u00f6fter ich jedoch kam, desto vertrauter wurden wir uns. Frau H. kann leider sehr schlecht h\u00f6ren, daf\u00fcr ist sie geistig noch voll da und ist weitgehen selbstst\u00e4ndig. Da sie bereits auf die 100 zugeht, hat sie in ihrem Leben schon unglaublich viel erlebt und wei\u00df viel zu berichten.<\/p>\n<p>Nach einer Zeit entdeckte ich, dass Frau H. gerne liest. Da die B\u00fccherei des Heims leider nicht allzu viel Abwechslung bot, brachte ich ihr daraufhin immer mal wieder neuen Lesestoff mit. Heute bin ich Mitglied bei der Stadtb\u00fccherei, denn mein B\u00fccherbestand reichte gerade mal f\u00fcr ein paar Wochen.<\/p>\n<p>Doch wie sehen unsere Treffen eigentlich aus?<\/p>\n<p>Meist fahre ich einmal in der Woche nachmittags zum Altenheim und besuche Frau H. f\u00fcr eine bis zwei Stunden, w\u00e4hrend der Kaffeezeit. Dann sitze ich auf einem Stuhl neben ihrem Sessel und sie berichtet mir von den neusten Ereignissen im Heim oder in ihrer Familie, den Fernsehnachrichten oder ihren B\u00fcchern. Manchmal erz\u00e4hlt sie auch von fr\u00fcher als sie noch jung war und von ihrem fr\u00fcheren Alltag. W\u00e4hrenddessen trinken wir eine Tasse Kaffee. Ab und zu fragt sie mich nach meiner Meinung oder m\u00f6chte etwas von mir wissen. Ich antworte ihr auch bereitwillig und sehr laut, damit sie mich verstehen kann. Leider gelingt das aber nicht immer direkt, aber notfalls geht\u2019s auch mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Ab und zu besuche ich auch die Veranstaltungen im Heim mit ihr, wie zum Beispiel das Lichterfest oder das Sommerfest. Dann sind alle Heimbewohner versammelt. Sie essen und trinken zusammen und k\u00f6nnen Familie und Freunde dazu einladen.<\/p>\n<p>Wenn ich Semesterferien habe und nicht in M\u00fcnster bin oder irgendetwas anderes dazwischen kommt, schreibe ich Frau H. meistens einen kleinen Brief oder eine Karte zwischendurch. So wei\u00df sie wo ich bin, was ich mache und wann ich wiederkomme. Das Wissen \u00fcber meinen Verbleib scheint ihr mittlerweile sehr wichtig zu sein und sie bedankt sich auch nach anderthalb Jahren immer noch jedes Mal herzlich f\u00fcr meinen Besuch mit einem langen H\u00e4ndedruck und strahlendem L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>Allein f\u00fcr diesen Moment haben sich die zwei Stunden Zeitaufwand schon hundertfach gelohnt. Diese Dankbarkeit zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, dass \u00e4ltere Leute jemanden zum Zuh\u00f6ren und Sprechen haben. Menschen, denen die Ansprache im Alltag fehlt, ziehen sich meist zur\u00fcck und geben sich nicht selten innerlich irgendwann auf. Auch das kann man immer wieder im Altenheim beobachten.<\/p>\n<p>Deshalb sehe ich die Arbeit des Studentischen Besuchsdienstes als besonders bedeutsam an. Wir wenden ein paar Stunden in der Woche auf und retten einer \u00e4lteren Person eventuell ihren ganzen Tag durch diesen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Aufwand. Nat\u00fcrlich kann man nie vorhersagen, ob es immer so reibungslos l\u00e4uft wie es bei Frau H. und mir der Fall ist. Ein Versuch ist es aber allemal wert. In diesem Fall ist aus einer anf\u00e4nglichen \u201eEins-zu-eins-Beziehung\u201c mittlerweile eine echte Freundschaft geworden.<\/p>\n<p><em>Marie-Sophie<\/em><\/p>\n<p>Mitglied seit Fr\u00fchling 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht von einem StuBdi f\u00fcr alle Stubdis und diejenigen, die sich f\u00fcr einen Generationsaustausch und ein besseres Miteinander in unserer Gesellschaft interessieren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=107"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":113,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/107\/revisions\/113"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ms.studentischer-besuchsdienst.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}